Wer mit → Staking, Lending oder Mining Krypto-Belohnungen verdient, stellt sich schnell die Frage: Wie wird das eigentlich besteuert? Die Antwort folgt anderen Regeln als der normale Verkauf von Coins – und es gibt eine gute Nachricht, die lange für Verunsicherung gesorgt hat. Ich erkläre dir, worauf es ankommt.
Hinweis: Allgemeine Information, keine Steuerberatung. Gerade bei laufenden Staking-Einnahmen lohnt im Zweifel der Gang zur Steuerberatung.
Belohnungen sind „sonstige Einkünfte“
Anders als ein Veräußerungsgewinn gelten Belohnungen aus passivem Staking (über eine Börse oder einen Staking-Pool) und aus Lending in der Regel als sonstige Einkünfte (§ 22 Nr. 3 EStG). Für Mining und eigene Validatoren gelten meist andere Regeln (siehe unten). Besteuert wird der Zuflusszeitpunkt:
- Im Moment, in dem dir die Belohnung gutgeschrieben wird, zählt ihr damaliger Marktwert in Euro als Einkommen.
- Dieser Wert wird mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.
Beispiel: Du erhältst eine Staking-Belohnung von 0,1 ETH, als ETH gerade 3.000 € wert ist. Dann hast du 300 € „sonstige Einkünfte“ – unabhängig davon, ob du die Coins behältst oder verkaufst.
Die 256-Euro-Freigrenze
Für sonstige Einkünfte gibt es eine eigene Freigrenze von 256 € pro Jahr. Sie ist niedriger als die 1.000-Euro-Grenze für Veräußerungsgeschäfte und wird getrennt davon betrachtet.
Auch hier gilt das Freigrenzen-Prinzip: Bleiben alle deine Einkünfte aus solchen Leistungen (§ 22 Nr. 3 EStG) zusammen unter 256 € im Jahr, sind sie steuerfrei. Wird die Grenze überschritten, ist der komplette Betrag steuerpflichtig. Wie der Unterschied zwischen Freigrenze und Freibetrag genau funktioniert, erklärt → Haltefrist & Freigrenze.
Gute Nachricht: keine 10-Jahres-Frist
Lange kursierte die Sorge, gestakte Coins würden einer verlängerten 10-jährigen Haltefrist unterliegen. Diese Unsicherheit ist ausgeräumt: Das BMF hat 2025 klargestellt, dass für die gestakten Coins die normale 1-Jahres-Frist gilt.
Das heißt konkret – es sind zwei Ebenen zu trennen:
- Die Belohnung selbst wird bei Zufluss als sonstige Einkünfte versteuert (siehe oben).
- Die erhaltenen Coins kannst du anschließend nach Ablauf eines Jahres steuerfrei verkaufen – wie alle anderen Coins auch. Für Coins, die dir ab 2027 zufließen, will die Bundesregierung die Haltefrist allerdings abschaffen (noch kein Gesetz, Stand Oktober 2026).
Lending und Mining – im Prinzip gleich
Die Logik ist bei den verwandten Aktivitäten ähnlich:
- Lending: Zinserträge aus dem Verleihen von Coins gelten ebenfalls als sonstige Einkünfte zum Zuflusszeitpunkt.
- Mining und eigene Validatoren: Wer selbst Blöcke erzeugt – per Mining oder mit einem eigenen Validator –, ist nach Auffassung der Finanzverwaltung in der Regel gewerblich tätig, sobald das auf Wiederholung angelegt ist und auf Dauer Gewinn bringen kann. Dann zählen die Erträge (Blockbelohnung und Transaktionsgebühren, bewertet zum Marktwert bei Zufluss) zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb mit eigener Gewinnermittlung. Nur wenn es an der Nachhaltigkeit fehlt, bleibt es bei sonstigen Einkünften (BMF-Schreiben vom 6. März 2025, Rz. 34–45). Was Mining überhaupt ist, erklärt → Was ist Mining?.
Worauf du in der Praxis achten solltest
- Zuflusszeitpunkt und Kurs dokumentieren. Du brauchst für jede Belohnung das Datum und den damaligen Euro-Wert. Bei täglichen Auszahlungen kann das schnell unübersichtlich werden.
- Tools nutzen. Spezialisierte Krypto-Steuer-Software kann Belohnungen automatisch erfassen und bewerten – das spart enorm Zeit.
- Zwei Steuerarten im Blick behalten. Erst die Belohnung als Einkommen, später ggf. der Verkaufsgewinn als Veräußerungsgeschäft.
Fazit
Belohnungen aus passivem Staking und Lending werden bei Zufluss in der Regel als sonstige Einkünfte versteuert – steuerfrei, wenn sie zusammen unter 256 € im Jahr bleiben. Mining und eigene Validatoren sind meist gewerblich. Die gefürchtete 10-Jahres-Frist gibt es nicht; für die erhaltenen Coins gilt die normale 1-Jahres-Regel. Wichtig ist eine lückenlose Dokumentation der Zuflüsse, denn genau hier wird es ohne Hilfsmittel schnell kompliziert.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich Staking-Belohnungen sofort versteuern, auch wenn ich sie nicht verkaufe? Ja. Maßgeblich ist der Zuflusszeitpunkt: Der Euro-Wert der Belohnung zählt als Einkommen, sobald sie dir gutgeschrieben wird – unabhängig von einem späteren Verkauf.
Wie hoch ist die Freigrenze für Staking? 256 € pro Jahr für sonstige Einkünfte. Sie ist getrennt von der 1.000-Euro-Freigrenze für Veräußerungsgeschäfte zu betrachten.
Gilt für gestakte Coins wirklich keine 10-Jahres-Frist mehr? Richtig. Das BMF hat 2025 bestätigt, dass die normale einjährige Haltefrist gilt. Die alte Sorge ist damit vom Tisch.
Wie dokumentiere ich tägliche Staking-Auszahlungen am besten? Mit einer Krypto-Steuer-Software, die Zuflüsse automatisch mit Datum und Kurs erfasst. Manuell ist das bei häufigen Auszahlungen kaum noch machbar. → Krypto in der Steuererklärung